DER MAUERFALL VON BERLIN HAT NICHT ZU MEHR FRIEDEN IN DER WELT BEIGETRAGEN.

Unser Planet ist nach dem 9. November 1989 nicht sicherer und gerechter geworden. Die Berliner Mauer war nur eine Konsequenz der Aggressivität des Weltimperialismus, der nie aufgehört hat, das sozialistische Lager zu destabilisieren und die nationalen und sozialen Befreiungsbewegungen zu bekämpfen.

Dr Mohamed Lamine Ly © Nioxor Tine Dr Mohamed Lamine Ly © Nioxor Tine

Die, im August 1961 errichtete Berliner Mauer wurde von den ostdeutschen Machthabern, als die ultimative Lösung angesehen, um die subversiven Aktionen ehemaliger Naziverbrecher mit Hilfe westlicher Mächte gegen den ersten "sozialistischen Staat auf deutschem Boden" einzudämmen.

Wie denn hätte die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg, ohne diese Mauer, ausgesehen ? Diese Mauer wurde von der westlichen Propaganda, als eisernen Vorhang karikiert, hinter dem die osteuropäischen Völker als Geiseln gehalten wurden ?

Hätten sich afrikanische und asiatische Länder so leicht von der Kolonialherrschaft befreien können?

Man könnte, daran zweifeln, zumal die Völker der Welt heute, dreißig Jahre nach dem Mauerfall, der eine Ära des Friedens und der Harmonie einläuten sollte, nach neuen Schutzschildern suchen, um den schädlichen Folgen imperialistischer Politik entgegenzuwirken.

DIE MAUER IST GEFALLEN, ABER DEUTSCHLAND IST STETS ​​GETEILT

30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ist Deutschland nach wie vor gespaltener denn je. Obwohl getrennte Familien sich treffen können und die Bürger theoretisch freier verreisen können, haben sich die sozialen Ungleichheiten zwischen Klassen und Personengruppen sogar noch akzentuiert.  Beispielsweise leiden die Bürger der ehemaligen DDR, im Vergleich zu den früheren westlichen Bundesländern, stärker unter Arbeitslosigkeit, haben weniger Einkommen und sind weniger mit Kraftfahrzeugausrüstung ausgestattet. In Bezug auf das kulturelle und ideologische Erbe gibt es ein Wiederaufleben konservativer, sogar reaktionärer Werte, insbesondere in Fragen der Religion, des Status der Frau und der Freundschaft zwischen den Völkern. Es gab eine Gefährdung von bestimmten Leistungen, die den DDR-Bürgern zustanden, nämlich kostenlose Gesundheitsfürsorge, zehnjährige Schulpflicht für alle, garantierte Arbeitsplatz und Wohnraum für alle, und niedrige Preise für Grundnahrungsmittel… Seit dem Fall der Mauer hat sich die Lage ostdeutscher Frauen verschlechtert, wenn es darum ging, Arbeit zu finden oder ihren Arbeitsplatz zu behalten, wegen "machistischen" Vorurteilen, die die Frauen als weniger produktiv betrachten. Hinzu kam die Abschaffung des jährlichen Mutterschaftsurlaubs (Babyjahr), die vielen Frauen im gebärfähigen Alter die Freuden der Mutterschaft entnahm und für einen deutlichen Rückgang der Fertilität, nach der deutschen Wiedervereinigung, verantwortlich war. Bisher unbekannte oder sehr marginale Phänomene, wie Bettler, Obdachlose, rassistische Angriffe von Skinheads und anderen rassistischen Gruppen, die typisch für kapitalistische Gesellschaften sind, wurden beobachtet ...

Wenn die sozialen Kosten der so bejubelten Wiedervereinigung so hoch waren, dann liegt es bestimmt daran, dass der ganze Prozeß von der westdeutschen Bourgeoisie von Anfang bis Ende vorangetrieben wurde. Zu diesem Zweck richtete sie eine Treuhandanstalt ein, die 8.500 Industrieunternehmen, 22.000 Dienstleistungsunternehmen (Banken, Versicherungen, Kommerzunternehmen, Verlage usw.) und 1,7 Millionen Hektar Land- und Waldfläche verwaltete. Ohne die Zustimmung der Gemeinderaten und der in den neuen  Bundesländern lebenden Bürger, wurde nach der Wiedervereinigung eine brutale Privatisierung des Eigentums des ostdeutschen Volkes (ehemals DDR) eingeleitet. Das undurchsichtige Management dieser Organisation (Treuhandgesellschaft), die von den perversen Experten der CDU konzipiert wurde, führte zu zweifelhaften Praktiken, die es politischen Freunden Helmut Kohls, großen westdeutschen Industriellen, ermöglichten, sehr profitable Transaktionen durchzuführen. Es gab auch Skandale, von denen die Elf-Leuna-Affäre, die von der berühmten Richterin Eva Joly untersucht wurde, die bedeutendste war.

Die westdeutschen Politiker weigerten sich, die weisen Empfehlungen von Persönlichkeiten wie Oskar Lafontaine zu hören. Stattdessen werden sie sich dafür entscheiden, die ostdeutsche Vergangenheit sauber zu fegen und einen erzwungenen Marsch in Richtung der völligen Annexion der ehemaligen DDR zu machen.

DIE WELT IST GEFÄHRLICHER GEWORDEN

Welchen Wert können diese moralische und humanistische  Positionen der westlichen Länder haben, da sie das ostdeutsche System ständig dämonisiert und stets als abscheuliche Diktatur dargestellt haben ?

Es ist klar, dass diese selbsternannten Verfechter der Freiheit und der Verteidigung der Menschenrechte davon besessen waren, ostdeutsche Unternehmen und Ländereien zu erobern. Sie hatten die Absicht, wie immer, ihre liberalen Verfahren zu erzwingen statt nützliche Lehren aus den Experimenten des sozialen Wandels zu ziehen, die in den ehemaligen sozialistischen Ländern durchgeführt wurden. Seit dem allmählichen Verschwinden des sozialistischen Lagers scheinen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dem Rest der Welt ihre Gesetze zu diktieren, bis vor kurzem, als Russland angefangen hat, zu rebellieren. Militärische Interventionen im Nahen Osten, in Asien und Afrika haben zu Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Terrorismus geführt und die Existenz mehrerer Staaten (Libyen, Syrien, die Demokratische Republik Kongo und die Vereinigten Staaten) in Frage gestellt.

Sogar innerhalb Europas, das theoretisch frei von dem "Gespenst des Kommunismus" ist, erleben faschistische Parteien, die von der UdSSR besiegt und in der Zeit des friedlichen Zusammenlebens unter Respekt gehalten, eine Wiedergeburt. So erlebt der Faschismus in Deutschland ein besorgniserregendes Wachstum, aufgrund anhaltender sozialer Spaltungen zwischen Ossis und Wessis, mit dem Aufstieg der AfD (Alternative für Deutschland) und der Schwächung traditioneller Parteien wie der SPD, die CDU und die CSU. In Österreich oder Italien haben rechtsextreme Kräfte sogar die Staatsspitze erreicht. Die Stärkung der rechtextremen Kräfte hängt mit der Unfähigkeit der Parteien des traditionellen Rechts zusammen, die Folgen der Wirtschaftskrise von 2008 zu kontrollieren und die mit den in den letzten Jahren verstärkten Migrationsphänomenen verbundenen Probleme zu lösen . Es gibt auch den Bankrott des demokratischen Repräsentationssystems, der von dem Brexit, der Wahl von Donald Trump in den Vereinigten Staaten, Jair Bolsonaro in Brasilien perfekt illustriert wird.

Nein, unser Planet ist nach dem 9. November 1989 nicht sicherer und gerechter geworden.

Die Berliner Mauer war keineswegs die Hauptursache internationaler Spannungen, während des kalten Krieges, sondern nur eine Konsequenz der Aggressivität des Weltimperialismus, der nie aufgehört hat, das sozialistische Lager zu destabilisieren und die nationalen und sozialen Befreiungsbewegungen zu bekämpfen. Sein Abriss hat nur, dazu beigetragen, die katastrophale Hegemonie des westlichen Imperialismus über eine unipolar gewordene Welt, aufzudecken.

Dr. Mohamed Lamine LY

leelamine@nioxor.com

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